Sprungziele
© Pixabay
Inhalt
Datum: 03.09.2026

6. Lucklumer Gespräche stellen Kooperation und Beteiligung ins Zentrum

Kooperation braucht einen klaren gemeinsamen Zweck, sonst bleibt sie reine Schlagwortpolitik. „Wenn wir keinen gemeinsamen Grund haben, dann bleibt Kooperation ein Modewort. Dann sitzen Menschen zwar am selben Tisch, aber noch lange nicht in einem gemeinsamen Boot“, so Landrätin Christiana Steinbrügge zur Eröffnung der 6. Lucklumer Gespräche.

Zu den 6. Lucklumer Gesprächen zum Thema „Gemeinsam mehr erreichen: Kooperation als Zukunftsstrategie“ hatte der Landkreis Wolfenbüttel zum 25. August 2026 in den Rittersaal nach Lucklum eingeladen. Rund 80 Gäste aus Kommunalpolitik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, Ehrenamt und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um darüber zu sprechen, wie Zusammenarbeit neue Perspektiven und konkrete Handlungsmöglichkeiten für ländliche Räume eröffnen kann.

Landrätin Christiana Steinbrügge knüpfte an das Leitmotiv der Lucklumer Gespräche an: „Gemeinsam auf Themen schauen, die uns bewegen.“ Dem Begriff Kooperation komme dabei eine besondere Bedeutung zu. Eine gute Zusammenarbeit beginne nicht mit der Frage, wer was mit wem mache, sondern mit der Frage: Wozu? Gerade in einer Zeit, in der die Herausforderungen größer und komplexer werden, sind engagierte Menschen gefragt, die Grenzen zwischen Zuständigkeiten, Institutionen und Fachgebieten überwinden.

Als Beispiel nannte sie das Projekt „Denk dein Dorf… und darüber hinaus“, dass derzeit im Landkreis Wolfenbüttel mit Förderung des Bundesprojekts Aller.Land läuft. In diesem Rahmen werden Menschen ermutigt, das Zusammenleben in ihrem Dorf selbst mitzugestalten. Hier entstehen Pop-up-Cafés, künstlerische Aktionen, Ideenschmieden und Kulturprojekte. Dabei geht es nicht darum, fertige Lösungen in die Dörfer zu bringen. Vielmehr geht es darum, vorhandene Potenziale sichtbar zu machen und miteinander zu verbinden. „Kooperation beginnt dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen“, so Steinbrügge.

Helmut Gockel, der Geschäftsführer des Ritterguts Lucklum, stellte aktuelle Aktivitäten des Guts vor und spannte einen historischen Bogen zum Abendthema. Kooperation habe den Deutschen Ritterorden stets ausgezeichnet, erklärte er. Bis 1809 war Lucklum Komturei des Deutschen Ordens – ein Ort, an dem gemeinschaftliches Handeln Tradition hat.

Aus wissenschaftlicher Perspektive und gleichzeitig praxisnah erläuterte Professor Dr. Peter Dehne von der Hochschule Neubrandenburg seine These „Keiner schafft‘s allein. Warum Zusammenarbeit der Schlüssel für starke Dörfer und Regionen ist“. Anhand von Beispielen bürgerschaftlichen Engagements in ländlichen Räumen zeigte er, wie Kooperationen Veränderungen anstoßen können. Sein Fazit: Die Lösungen vor Ort sind oft individuell, doch eine Kultur des Miteinanders und eine gemeinsame Erzählung sind der Ausgangspunkt für erfolgreiche Kooperationsmodelle.

Im Anschluss stellte Ulrike Oemisch das Projekt „Klimalandschaft Wolfenbüttel“ vor, das als Modell für nachhaltige Landnutzung dient. Dabei stärkt der Ansatz nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch regionale Wertschöpfungsketten und lokale Netzwerke.

DenkDeinDorf-Projekt: Bewerbungen noch bis zum 15. Januar

Johanna von Anshelm, Abteilungsleiterin Kultur und Medien im Bildungszentrum Landkreis Wolfenbüttel, gab anschließend einen vertieften Einblick in das Projekt „DenkDeinDorf … und darüber hinaus!“. Sie zeigte auf, was durch die Teilnahme an einem solchen Beteiligungsprozess entstehen kann, wenn Ideen und die Freude, gemeinsam etwas zu bewirken vor Ort weitergetragen werden. Ein Beispiel ist der Ort Schandelah, wo die Projektgruppe über den eigentlichen Projektzeitraum hinaus aktiv geblieben ist und sich aktuell der künstlerischen Gestaltung des Bahnhofs annimmt. Interessierte Dörfer können sich bis zum 15. Januar bei der Servicestelle Kultur im Bildungszentrum Landkreis Wolfenbüttel unter dorfkulturzentrale@lk-wf.de melden.

Wie Kooperation praktisch und unmittelbar erfahrbar werden kann, zeigte zum Abschluss die Bildende Künstlerin Dr. Insa Winkler aus Hude bei Bremen. In ihrem Vortrag „Kollaborative Kunst im ländlichen Raum“ stellte sie Projekte vor, die sich an den Schnittstellen von Kunst, Landschaft, Ökologie und Gesellschaft entstehen. Im Mittelpunkt stand auch hier die Beteiligung der Menschen vor Ort.

Die Beispiele des Abends machten deutlich, dass Kooperation mehr ist als ein Instrument für effiziente Zusammenarbeit. Sie kann neue Perspektiven eröffnen und Menschen einladen, ihre Region aktiv mitzugestalten. Steinbrügge sprach in dem Zusammenhang von „Möglichkeitssinn“, die Fähigkeit sich vorzustellen, dass es auch anders gehen könnte.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Sängerin Greta Gröning und dem Gitarristen Jonathan Rieske aus Hannover.

Im Anschluss nutzten die Gäste und Vortragenden die Gelegenheit zu vertiefenden Gesprächen. Bei Gesang und Gitarrenklängen klang der Abend aus – und bot zugleich Raum für neue Begegnungen, Ideen und mögliche Kooperationen.

Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch eine Kooperation mit der Stiftung Zukunftsfonds Asse und das Bundesprogramm Aller.Land.