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Datum: 20.10.2026

Von der Patenschaft zur gelebten Freundschaft: Wolfenbüttel und Kamienna Góra feiern 25 Jahre Städtepartnerschaft

Vom 16. bis zum 18. Oktober stand die Stadt Wolfenbüttel ganz im Zeichen der deutsch-polnischen Freundschaft.

Mit einem vielschichtigen Programm aus kulturellem Austausch, offiziellem Festakt und historischem Gedenken feierten die Stadt und der Landkreis ein besonderes Doppeljubiläum: das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit der polnischen Kommune Kamienna Góra sowie die vor 75 Jahren übernommene Patenschaft für die Vertriebenen aus dem ehemaligen Landeshut. Die dreitägigen Feierlichkeiten verdeutlichten die tiefe historische Verbundenheit beider Kommunen und setzten ein klares Zeichen für den Zusammenhalt in einem vereinten Europa.

Historische Wurzeln und die Bedeutung für ein friedliches Europa

Die Basis für die heutige enge Verbindung wurde bereits im Jahr 1951 gelegt, als Stadt und Landkreis Wolfenbüttel die Patenschaft für die Menschen aus dem ehemals deutschen Landeshut übernahmen. In seiner Festrede ordnete Bürgermeister Ivica Lukanic das Jubiläum in den aktuellen politischen Kontext ein. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine mahnte er an, dass Frieden, Freiheit und Sicherheit in Europa keine Selbstverständlichkeiten seien. Die Partnerschaft der beiden Städte bilde durch das gegenseitige Vertrauen auf lokaler Ebene eine tragfähige Grundlage für die europäische Stabilität. Es sei eine gemeinsame Verantwortung, aus einer von Krieg und Vertreibung geprägten Vergangenheit eine friedliche Zukunft zu gestalten.

Kultureller Brückenschlag und sichtbare Zeichen der Verbundenheit

Den feierlichen Auftakt des Wochenendes bildete am Freitagnachmittag eine öffentliche Lesung im Ratssaal. Unter dem Titel „Ein Land gab mir sein Wort“ brachten die deutsch-schlesische Schriftstellerin Monika Taubitz und der schlesisch-polnische Literaturwissenschaftler Prof. Edward Białek dem Publikum die schlesische Literatur und Riesengebirgslyrik näher. Während Prof. Białek dem Publikum die Werke fast vergessener Riesengebirgsdichter wie Hans Zuckold und Carl Hauptmann näherbrachte, las Monika Taubitz aus ihren autobiografischen Texten sowie eigene Lyrik. Metzig hob in seiner Begrüßung besonders die persönliche Dimension dieses Aufeinandertreffens hervor: Die Tatsache, dass eine Autorin, welche die Härten der Nachkriegszeit selbst erlebte, heute in tiefer Freundschaft mit ihrem polnischen Kollegen die Literatur beider Nationen feiert, sei ein lebendiges Symbol für die gelungene Versöhnung.

Am selben Abend fand zudem eine symbolträchtige Aktion an der Marktstraße statt: Bürgermeister Ivica Lukanic und sein polnischer Amtskollege Janusz Chodasewicz illuminierten gemeinsam die Kamienna-Góra-Brücke. Diese Geste diente als weithin sichtbares Bild für den erfolgreichen Brückenschlag zwischen den Nationen.

Gemeinsames Erinnern am Landeshuter Platz

Der Samstag begann mit dem gemeinsamen Gedenken am Landeshuter Platz. Dirk Metzig, Vorsitzender des Arbeitskreises Landeshut, erinnerte daran, dass die Trauer um die Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung keine nationalen Grenzen kenne. Deutsche und Polen seien im Gedenken an ihre Vorfahren vereint. Als sichtbares Zeichen der andauernden Verbundenheit verwies Metzig auf den vor 25 Jahren gestifteten Kubus am Platz, der anlässlich des aktuellen Jubiläums eine Erweiterung erhielt. Stellvertretender Landrat Uwe Schäfer übergab diese im Rahmen der Gedenkveranstaltung.

Heimattag und offizieller Empfang: Gelebte europäische Solidarität

Im Anschluss an das Gedenken lud die Stadt zum offiziellen Empfang ins Schloss ein, der zeitgleich den Rahmen für den diesjährigen Heimattag bildete. Unter dem Motto „Partner, Freunde“ stand das persönliche Miteinander im Mittelpunkt. Dirk Metzig betonte, dass die Städtepartnerschaft keineswegs ein formeller Akt auf dem Papier geblieben sei. Vielmehr werde sie durch unzählige persönliche Freundschaften getragen, die über die Jahre zwischen den Menschen aus Wolfenbüttel und Kamienna Góra gewachsen seien.

Landrätin Christiana Steinbrügge blickte in ihrem Grußwort auf die Anfänge der Patenschaft im Jahr 1951 zurück, die mit dem Versprechen begann: „Wir stehen an Ihrer Seite.“ Aus diesem Hilfsversprechen sei ein dichtes Netz der Begegnung entstanden. Aus Paten seien verlässliche Partner und enge Freunde geworden. Steinbrügge würdigte dabei insbesondere die unermüdliche Arbeit des Arbeitskreises Landeshut. Ob durch historische Forschung, Begegnungsprojekte oder schnelle Hilfe bei Hochwasserkatastrophen – der Arbeitskreis mache Europa vor Ort greifbar. Europa entscheide sich nicht nur auf politischen Gipfeltreffen, sondern genau hier, in den Kommunen und im bürgerschaftlichen Engagement.

Geteiltes Kulturerbe als Fundament für die Zukunft

Ein starkes Zeichen der Versöhnung setzte der polnische Bürgermeister Janusz Chodasewicz. Er sprach offen über die schmerzhafte gemeinsame Geschichte und die schwierigen Nachkriegsjahre, in denen deutsches Kulturgut oft systematisch verdrängt wurde. Umso deutlicher betonte er den Wandel in der Gegenwart: Heute bemühe sich Kamienna Góra intensiv darum, die historischen Bauwerke – wie die ehemalige evangelische Kirche oder den historischen Marktplatz – als Teil der eigenen Stadtgeschichte zu erhalten und zu restaurieren. Chodasewicz unterstrich die gemeinsame Verpflichtung, aus der Geschichte zu lernen, Hass und Gewalt keinen Raum zu geben und die Zukunft der Völker auf Freundschaft und Respekt aufzubauen.

Im Anschluss trug sich die polnische Delegation in das Goldene Buch der Stadt Wolfenbüttel ein. Eine eigens angefertigte Jubiläums-Glasmedaillen überreichte Bürgermeister Lukanic an seinen polnischen Amtskollegen und an Axel Gummert, der vor 25 Jahren die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet hat.

Fokus auf die kommende Generation

Den besinnlichen Abschluss der Festtage bildete ein gemeinsamer Gottesdienst in der Kirche St. Petri am Sonntagmorgen. Um das Fundament dieser Freundschaft auch für die kommenden Jahrzehnte zu sichern, richten beide Städte den Blick nun verstärkt auf die Jugend. Es ist das erklärte Ziel, den Jugendaustausch weiter auszubauen. Durch die Vernetzung von Schulen, Vereinen und bürgerschaftlichem Engagement sollen neue Verbindungen entstehen, welche die Partnerschaft in die nächste Generation tragen. Ein symbolischer Grundstein dafür wurde bereits im Juni dieses Jahres gelegt, als Vertreter beider Städte bei einem Treffen in Kamienna Góra gemeinsam Bäume für eine wachsende Zukunft pflanzten.

Quelle: Presseinformation der Stadt Wolfenbüttel